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Altcoins nach dem nächtlichen Abverkauf: Bounce oder Boden?

Analyse der Marktlage nach der Abverkaufskaskade in der Nacht zum Montag: Welche Altcoins wie XLM, XRP, Chainlink und Polkadot nähern sich Kaufsignalen, welche wie HBAR und Cardano bleiben risikobehaftet. Dazu ein Blick auf Unemployment Claims und die Earnings-Saison.

6 Min. Lesezeit

Nach dem nächtlichen Abverkauf reagiert der Kryptomarkt mit einer Kaufreaktion, wobei die Lage je Coin unterschiedlich ist. Bei XLM ist das frühere Alternativszenario hinfällig, da der Kurs unter das relevante Tief lief; die neue Primärerwartung ist eine Kaufzone zwischen 15 und 16 Cent, wobei ein weiteres Absinken zur Trendlinie wahrscheinlich bleibt. XRP hat am 61,8er-Retracement reagiert und eine impulsive Aufwärtsstruktur gezeigt — mit 45 Prozent Wahrscheinlichkeit ist der Boden bereits drin, Bestätigung über 1,70, während sonst 1,29 bis 1,27 anstehen; Litecoin bleibt über 50,20 US-Dollar bullisch mit Zielen bei 75 und 95 bis 96 US-Dollar. Risikobehaftet sind HBAR (impulsiv bärisch zählbar, Bruch der 6-Cent-Marke würde die Bullen-These invalidieren), Cardano (unter 19 Cent neues Zyklus-Tief), Polygon (unter 7 Cent 35-prozentige Wahrscheinlichkeit eines neuen Tiefs), Virtuels (kein Kauf) und Mana (neues Zyklus-Tief in der Primärerwartung). Intakte Setups bestehen bei Chainlink (Kaufzone 11,39 bis 8,88 US-Dollar, Trendbestätigung über 15,77), AVAX, Sui (Drehung zwischen 98 und 95 Cent nötig) und Polkadot (Bruch der 1,30 für die Welle-3-Expansion, sonst bei Verlust der 93 Cent neues Tief). Fundamental stehen diese Woche die Unemployment Claims sowie Quartalszahlen von Tesla, SpaceX und Meta an.

Die neue Handelswoche beginnt im Kryptosektor mit erhöhter Volatility. Nach einem schwachen Sonntag setzte sich in der Nacht zum Montag eine weitere Abverkaufskaskade fort, auf die der Markt prompt mit einer Kaufreaktion antwortete. Das Bild erstreckt sich quer über den gesamten Cryptospace. Kryptos neigen dazu, in eine Richtung zu „teasen“, ohne dass daraus etwas wird. Die Antwort fällt je nach Coin unterschiedlich aus — einige Strukturen nähern sich einem Kaufsignal, andere bleiben ausgesprochen risikobehaftet.

XLM: Erste Tranche in der alternativen Kaufzone

Bei XLM wurde das Szenario grundlegend angepasst. Der Breakout nach der Aufwärtsbewegung ist nicht zustande gekommen, und das relevante Tief wurde final noch einmal angetestet — strukturell befindet sich der Kurs damit weiterhin in einer Welle-2-Bewegung. Das zuvor als Primär-Szenario geführte Alternativmodell, wonach die Welle 2 bereits abgeschlossen sein könnte, ist hinfällig: Der Kurs ist unter das betreffende Tief gelaufen, ohne das darüberliegende Pivot zu nehmen. Damit müsste die 2 tiefer lokalisiert werden.

Die frühere alternative Kaufzone ist damit zur Primärerwartung geworden. Der erste Einstieg liegt in der Spanne zwischen 15 und 16 Cent. Dahinter steht die übergeordnete Annahme eines riesigen, seit 2018 laufenden Dreiecks, in dem sich XLM in einer mehrjährigen Akkumulationsphase befindet — eng korreliert mit XRP, das allerdings kurz aus dem Dreieck herausgespickt ist und die bessere Performance aufweist. Zwei vermeintlich impulsive Schübe rechtfertigen einen ersten Kaufversuch, wohl wissend, dass ein weiteres Absinken zur Trendlinie wahrscheinlich ist, weil die Bewegung selbst nicht impulsiv war. Die Möglichkeit, dass der Zyklusboden bereits gesehen wurde, besteht — belegt ist sie nicht.

XRP, Litecoin und die Frage nach dem Retracement

XRP ist tiefer in die Zone gelaufen; angepasst wurde der angenommene Boden der Y2 in Richtung des 78,6er-Retracements, vor allem aus Korrelationsgründen, da eine größere Zwischenkorrektur bei den Altcoins insgesamt möglich erscheint. Gleichzeitig wiegt das Alternativszenario mit 45 Prozent Wahrscheinlichkeit hoch: XRP hat sauber am 61,8er reagiert, ein neues lokales Zwischenhoch über zwei, drei Pivots gebildet und eine sehr impulsive Struktur nach oben gezeigt — anders als XLM. Sollte der Boden damit bereits drin sein, wären 1,29 bis 1,27 als Nächstes zu erwarten, wo sich entscheidet, ob die Welle 5 impulsiv ausgebildet werden kann. Bestätigt wird der bullische Fall über 1,70.

Litecoin zeigt als eine der wenigen Coins eine leicht bullische Struktur. Solange der Kurs über 50,20 US-Dollar bleibt, nähert er sich wieder der 75-Dollar-Marke; darüber würde eine Expansion Richtung 95 bis 96 US-Dollar (162 Prozent) erwartet. Unter 50,20 hingegen würde der überzyklische Kaufbereich deutlich tiefer angesteuert und der Zyklusboden wäre nicht drin.

Risikofälle: HBAR, Cardano, Polygon und Virtuels

HBAR hat über das Wochenende mitgezogen und gehörte zu den ganz wenigen Altcoins, die zeitweise im Plus notierten, ist aber deutlich zurückgekommen und zeigt inhärente Schwäche. Die Struktur ist nur dann bullisch deutbar, wenn der Boden bereits drin war und eine Welle 1 samt A-B-C-Korrektur gelaufen ist. Problematisch: Die Abgabebewegung seit dem Hoch — fast minus 40 Prozent nach einer Verdopplung — ist auch impulsiv bärisch durchzählbar, also keine gesunde Korrektur. Damit bricht die 6-Cent-Marke und die 1-2-Bewegung ist invalidiert. In dem Fall stünde ein Abtauchen in ungehandeltes Territorium seit 2023 bevor — eine starke Kaufgelegenheit, aber risikobehaftet. Erst über 13 Cent sähe es gut aus für einen Zyklusboden.

Cardano ist ebenfalls sehr tief zurückgekommen und hat das 78,6er wieder erreicht. Dass es nicht einmal über das letzte relevante Pivot der Welle 4 hinausging, ist ein massives Schwäche-Signal. Unter 19 Cent würde ein neues Zyklus-Tief validiert. Wer in Trades drin ist, sollte über engere Stops nachdenken. Polygon verliert gerade das 61,8er-Retracement der Welle-2-Annahme; interessant wird der Konfluenzbereich aus 100er-Expansion der C-Welle und 78,6er. Alles über 7 Cent bleibt primär bullish, darunter gibt es mit 35-prozentiger Wahrscheinlichkeit ein neues Zyklus-Tief. Virtuels bleibt sehr risikobehaftet: Der Kurs schafft es nicht über die B-Welle, was für eine Trendbestätigung nötig wäre — kein Kauf. Mana ist in der Primärerwartung komplett ein neues Zyklus-Tief, am saubersten durchzählbar als W-X-Y-Korrektur.

Durch die Korrektur sind die OG-Größen wieder günstig zu haben. Chainlink hat seit Juni nichts mehr gemacht; nach dem Rücksetzer ist der Coin wieder handelbar. Die Kaufzielzone für den Abschluss der Welle 2 liegt zwischen 11,39 und 8,88 US-Dollar. Beweisen muss sich der Trend mit einem Lauf über 15,77. AVAX liegt in der überzyklischen Kaufzielzone.

Sui ist tiefer in die Zielzone abgetaucht und hat dort reagiert. Handelt es sich beim aktuellen Aufwärtsimpuls um eine Welle 1, muss der Kurs zwischen 98 und 95 Cent drehen und in die Welle 3 hochziehen; hält er sein Tief nicht, löst das das Alternativszenario mit einem komplett neuen Zyklus-Tief aus. Polkadot gehört nach der Schwächephase zu den stärkeren Coins heute; für die erwartete Welle-3-Expansion braucht es einen Bruch der 1,30. Wird die 93-Cent-Marke nicht verteidigt, gibt es mit hoher Wahrscheinlichkeit ein neues Zyklus-Tief.

Solana liegt zwischen dem 38,2er und 50er Retracement bei 105,24 und muss zeitnah drehen, sonst ist die Welle-4-Annahme in Frage zu stellen. Render hat das 61,8er geholt und dort reagiert — möglicherweise lädt er sich als 1-2-1-2 auf, muss dann aber über 2,58 laufen. Fetch AI befindet sich in der Welle 2 und hat zwischen 50er und 78er Retracement noch Platz nach unten; die Struktur ähnelt der von HBAR und bleibt risikobehaftet. Kronos gehört relativ zu den stärkeren Altcoins, hat aber das 61,8er noch nicht erreicht — der Bounce von knapp 7 Prozent vom Boden sieht strukturell noch nicht nach einem Impuls aus. Entscheidend ist der Supportbereich, wo die impulsive These begann: Läuft der Kurs darunter, wird die bereits deklarierte Zielzone deutlich tiefer mit einem komplett neuen Zyklus-Tief angestrebt.

Fundamentale Begleitung: Earnings-Saison und Unemployment Claims

Die Woche bringt mit den Unemployment Claims das einzige wirklich fundamentale, volatile Datenevent — relevant, weil die Fed auf diese Indikation schaut. Zugleich beginnt die Earnings-Saison: Nach den Banken der Vorwoche melden diese Woche Tesla, SpaceX und Meta, was auch für den Tech-Sektor und damit indirekt für die Risikoneigung am Kryptomarkt von Interesse ist.

Dieser Beitrag stellt keine individuelle Anlageberatung dar.